Kleingewässerprojekt

Renaturierung und Umfeldgestaltung von Kleingewässern mit Gemeinden der Insel Rügen

Gemeinsam mit der Heinz-Sielmann-Stiftung und zwei weiteren Akteuren der Landschaftspflege (Naturschutzstiftung Grafschaft Bentheim & Landschaftspflegeverband Freising e.V.) beteiligt sich der Landschaftspflegeverband Rügen e.V. an dem Projekt „Menschen + Landschaft verbinden – Kommunen für den bundesweiten Biotopverbund“ als Vertreter für die Modellregion Rügen. Das Gesamtprojekt soll eine bundesweite Stärkung des Themas Biotopverbund in Kommunen erzielen. Der Landschaftspflegeverband Rügen renaturiert im Zuge dieses Projekts mindestens neun Dorfteiche inklusive ihres Umlandes auf dem Gebiet der Insel Rügen.

Kleingewässer stellen einen wichtigen Lebensraum für zahlreiche Tierarten dar: Amphibien wie Rotbauchunke und Laubfrosch finden besonders in Gewässern mit reichem Pflanzenbestand am Ufer und geringem Fischbestand geeignete Laichgewässer. Auch viele Libellenarten sind auf kleine Stillgewässer als Lebensraum während des Larvenstadiums angewiesen. Für Greifvögel und Fledermäuse stellen die Gewässer ein wichtiges Jagdhabitat dar, während andere heimische Vogelarten die Ufervegetation zur Aufzucht ihrer Brut oder zur Rast nutzen.

Aufgrund dieser Bedeutung für die Biodiversität zählen solche Kleingewässer zu den gesetzlich geschützten Biotopen (§20 NatSchAG M-V). Viele der dorfnahen Gewässer auf Rügen befinden sich allerdings ökologisch und auch optisch in einem schlechten Zustand.

Natürlicherweise laufen in solchen Gewässern Verlandungsprozesse ab, bedingt durch die Ansammlung von Biomasse wie Laub oder Pflanzenresten im Wasser. Je nach Größe verlanden Kleingewässer innerhalb von 5 bis 20 Jahren und verlieren somit ihre Habitatfunktion. Verschärft wurde diese Situation in der Vergangenheit durch Nährstoffeintrag aus umliegenden landwirtschaftlichen Flächen oder Kleinkläranlagen.  

Durch die Renaturierung der Gewässer und deren Umfeld sollen Trittsteinbiotope entstehen, die vielen verschiedenen Tier- und Pflanzenarten einen Lebensraum bieten und die Ausbreitung oder Wanderung über weitere Strecken ermöglichen.

Neben der Verbesserung des ökologischen Zustands ist ein weiterer Schwerpunkt des Projekts, die Attraktivität der Ortschaften für die Bewohner und die touristische Nutzung zu fördern. Durch verbesserte Zugangsmöglichkeiten zu den Gewässern sollen Naturerlebnisräume geschaffen werden, die besonders für Umweltbildung genutzt werden können.

Projektstart ist der 01.08.2020, die ersten Renaturierungsmaßnahmen sollen 2021 umgesetzt werden. Das Projekt soll im Zuge des Gesamtprojektes unter Federführung der Heinz-Sielmann-Stiftung als Beispiel für weitere Kommunen und Akteure der Landschaftspflege dienen, die beabsichtigen, ein Projekt zum Biotopverbund durchzuführen.

Claudia Wichmann